Die Schlacht um Verdun „spielte“ sich auf einem Gelände ab, das der Größe eines schlesischen Großgrundbesitzes entsprach.
Natürlich sorgte schon bei Zeiten die Stadtverwaltung dafür, dass diese Schlachtfelder „vor der eigenen Haustür“ für Touristen attraktiv werden sollten. Aus diesem Grund wurden Schilder aufgestellt, die nicht nur die einzelnen Sehenswürdigkeiten der kriegerischen Auseinandersetzungen harmlos beschreiben, sondern auch Camping und Ballspiele untersagen. Immerhin.
Ausserdem sorgen zahllose Parkplätze dafür, dass die internationalen Schlachtenbummler nicht die Orientierung verlieren. Und so hat jeder Besucher die Möglichkeit auf ausgedehnten „Trimm-Pfaden“ diese Schlachtfelder des I.Weltkrieges zu besuchen. Immerhin hat sich über dieses Gelände mit der Zeit eine Art Parklandschaft gelegt.
Während man bei derartigen Rundgängen vielleicht noch überlegt:
Warum die Menschen immer wieder bereit sind für eine Idee zu sterben?
– läuft man schon zwischen geschickt arrangierten Welt-Krieg-Kulissen, die das Schlachtfeld chorographisch ordnen, ins Leere.
Oder liegt die nie ermüdende Triebkraft des Menschen darin, dass man ihm selbst in dieser „Hölle“ (wie Großvater schrieb), das Ballspielen oder freie Abkochen über Massengräber verbieten muß?
Immerhin ein kleiner Beweis dafür, dass zwar die Schlachtfelder den Fremdenverkehr ankurbeln, aber letztlich keinen Einfluss auf das haben, was sich gelegentlich sittliche Reife nennt.
Natürlich, diese „alten Geschichten“ kann der Schlachtfeld-Tourist nicht mehr korrigieren. Und im Übrigen steht er schon in den Fort-anlagen und wundert sich darüber, wie tief sich diese Bollwerke festungsartig in die Erde eingegraben haben.
In ihrer räumlichen Dimension sind diese Festungen kaum zu umreißen, da sich auf den ersten Blick hin lediglich eine gepanzerte Betonstirn dem Feind entgegenstellt. Nach strategischen Gesichtspunkten verteilt finden sich im Bereich dieser Bollwerke zahllose überdimensionale Eisendeckel, unter denen sich versenkbare Geschütztürme verbargen. Denn die Forts wurden gleichzeitig so angelegt, dass diese Geschütze die Möglichkeit hatten die Glacis der Nachbarforts vom Feind zu „säubern“.
Die militärische Sprache liebt die Ordnung.
Unzählige Treppenschächte führen in die unterirdischen Verteidigungsanlagen wie in eine feuchte Gruft. Ausgeklügelte Tunnelsysteme verbinden die Geschütztürme mit ihren Magazinen, den Feuerleitern und den Mannschaftsräumen.
Der erstaunte Besucher entdeckt in diesem verschlungen System unzählige Schießscharten, die wie Poren den Beton durchsetzen.
Wer einst derartige Festungen baute, mußte die Überzeugung haben, dass der Krieg in der „Luft“ lag. Denn aus historischer Distanz darf behauptet werden, dass zu Beginn des 20-igsten Jahrhunderts der „Krieg“ in weiten Kreisen der Gesellschaft akzeptiert wurde als ein Naturgesetz der Geschichte und als schöpferische Triebfeder der Nationalstaaten.
Was lag da näher, als den Tod auf dem Schlachtfeld als „Heldentod“ zu stilisieren? Ein Ereignis kathartischer Wirkung wie der abkühlende Regenschauer am Ende eines schwülen Sommertages vielleicht.
Wer sprach da noch von Frieden, wenn selbst ein Herr von Hindenburg verkündete:
„Der Krieg bekommt mir wie eine Badekur.“

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