Die Sperrstunde

Von Siegfried Baum

Es ist immer wieder der gleiche Kneipenwirt im Ort, der die Sperrstunde – und gerade an Wochenenden maßlos überschreitet. Über das Knallen von Autotüren und Gegröle von betrunkenen Gästen haben sich auch schon viele Anwohner beim Ordnungsamt und der Polizei beschwert und um Kontrollen gebeten.

Außerdem kennen Letztere ja auch ihre Pappenheimer, wenn es um die notorischen Alkoholsünder am Steuer geht. Was liegt da also näher, als sich pünktlich zur Sperrstunde in der Nähe der Dorfkneipe zu postieren und dem ein oder anderen Unbelehrbaren den Garaus zu machen. Es dauert auch nicht lange, bis die Streifenwagenbesatzung Franz-Josef Schulte beobachtet, wie er auf seine Mathilde gestützt aus der Kneipe stolpert, auf dem Bordstein fast hinfällt und seine Schlüssel an fünf verschiedenen Autos ausprobiert.

Als die beiden ihren Pkw endlich gefunden haben, lässt sich Franz-Josef auf den Fahrersitz fallen und fummelt mehrere Minuten am Lenkrad und Zündschloss herum, während seine Mathilde unablässig gestikulierend auf ihn einredet.
Nun sind sich die beiden Polizisten ganz sicher, dass sie mit Franz-Josef, dessen Alkoholeskapaden nicht nur der Polizei sondern auch im ganzen Ort hinreichend bekannt sind, einen guten Fang machen werden und warten geduldig ab, wie sich die Sache weiter entwickelt.

Unterdessen verlassen alle anderen Gäste nach und nach die Gaststätte und fahren mit ihren Autos unbehelligt nach Hause. Schließlich gelingt es auch Franz-Josef, den Motor zu starten und mit ruckartigen Fahrbewegungen loszufahren.

Aber kaum hat er den Parkplatz verlassen und ist auf die Straße eingebogen, da steht schon einer der beiden Polizisten mit der beleuchteten Anhaltekelle mitten auf der Fahrbahn und fordert die Schultes zum Anhalten auf. Als Franz-Josef das Fenster herunterkurbelt, erklärt der Polizist: „Sie konnten doch kaum stehen, wie können Sie sich dann noch hinter das Steuer setzen?

So wie Sie sich hier als Fahrzeugführer benehmen, das geht gar nicht! Wir werden jetzt mal einen Alkotest machen! Einverstanden? Und ich bin mir sicher, dass bei Ihnen eine Blutprobe fällig ist!“ Gesagt, getan! Aber was für eine Überraschung? Der Alkotest ergibt ein Messergebnis von 0,0 Promille!

Da schlägt die Stunde von Mathilde! Mit stolz geschwellter Brust klärt sie die beiden Beamten auf: „Heute Abend hat das glückliche Los meinen Franz-Josef getroffen, den Köder für Sie spielen zu müssen. Sie werden ja wohl nichts dagegen haben, dass auch wir jetzt unsere Heimfahrt wie alle anderen Gäste fortsetzen dürfen!

Auf eine Kontrollbescheinigung wollen wir mal großzügig verzichten!“

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