“ Aus dem Stall auf die Gabel“


Töten von Tieren sollte ein sensibles Thema bleiben

Sommerzeit – Grillzeit! Fährt man in diesen sommerlichen Tagen durch die großen und kleinen Ortschaften unseres Landes, kann der aufmerksame Beobachter von Balkonen, Gärten und Veranden kleine Rauchwölkchen, besonders an Wochenenden, aufsteigen sehen.

Hier überall wird gegrillt! Familien, Freundeskreise, Vereine haben die gemeinsame Mahlzeit wiederentdeckt. Es macht allgemein Spaß, Speisen zuzubereiten und gemeinschaftlich zu verzehren. Dabei wird erzählt, gelacht und getrunken: Grillen ist ein kulinarischer Genuss wie unsere Vorfahren ihn schon am bäuerlichen Küchen-herd schätzten. Denn mit dem Augenblick, wo ich mich mit anderen an einen gedeckten Tisch setze und esse, geschieht Gemeinschaft. Das ist eine uralte Erfahrung. „Kumpan, Kumpel, Kompanie, Kompagnon“ sind Begriffe, die sich sprachgeschichtlich vom lateinischen Wort „panis“ – das Brot – ableiten lassen; also der – oder diejenigen, mit denen ich das „Brot teile“. Natürlich werden in erster Linie fleischliche Nahrungsmittel ge-grillt. Die deutschen Metzger-eien und auch die Fleischindustrie haben inzwischen eine ganze Palette von Grillspezialitäten aus Fleisch von Rind, Schwein, Lamm und Geflügel im Angebot.


Seit geraumer Zeit haben einige Zeitgenossen Probleme damit, sich von tierischen Produkten zu ernähren. Sie möchten nicht, dass Tiere ihretwegen sterben müssen. Dabei ist es einem Masthähnchen oder einem Schwein letztendlich egal, ob es an Altersschwäche oder beim Schlachten stirbt. Das Töten von Tieren sollte trotz dem ein sensibles Thema bleiben; und wir Menschen müssen aufpassen, uns dabei nicht zu „ungeschlachten“ oder „grobschlächtigen“ Mitgeschöpfen zu entwickeln.

Immer wieder muss ich mir von außen stehenden Stallbesuchern den Vorwurf von Brutalität gefallen lassen, weil ich die Kälber, Ferkel oder Küken, die ich zunächst liebevoll aufziehe, hinterher selbst verspeise. Aber genau das meint der Begriff „Lebensmittel“: Ein lebendiges Tier (oder eine saftige Pflanze) muss sterben, damit ich mich davon ernähre. So ist das Leben und nicht anders! Ob wir nun die kleinen oder großen Lebens-zusammenhänge sehen: Immer existiert der Eine auf Kosten des Anderen. Selbst bei einem Verzicht von Fleischprodukten in meiner Nahrung gelingt es mir nicht, aus diesem Schöpfungs-kreislauf auszubrechen. Aus seinen Essgewohnheiten sollte man ohnehin keine ideologische Weltanschauung machen. Eine strikte vegetarische Überzeugung übersieht folgende Tatsache: Mit dem Moment, wo ich zum Beispiel Kosmetika benutze oder Produkte der Leder- und Pharmaindustrie kaufe, müssen auch Tiere für mich sterben. Was vielen unbekannt ist: Eine Kuh muss jährlich kalben, um Milch produzieren zu können. Was soll mit den Kälbern passieren, wenn ich auf Fleisch verzichte?

Falls Sie morgen bereits den Weg zur Metzgerei Ihres Vertrauens gehen, genießen Sie zunächst die Vielfalt des Angebotes, aus dem sie auswählen dürfen. Freuen Sie sich auf die Begegnung mit Freunden bei der nächsten Grill-Party.

von

Pater Reinald Rickert

Abtei Königsmünster Meschede

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